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Oder : Was wäre das Leben ohne Tischtennis Dienstagabend, 18:00 Uhr. Schon der Gedanke daran, zwei Stunden später zum Meisterschaftsspiel der Kreisklasse C Nord in Selbach anzutreten, löst in mir einen leichten Schauer aus. Selbach, bis dahin ungeschlagen, gespickt mit Spielern, die schon meinen Vater zur Verzweiflung brachten, Noppen außen und Anti Top, grausam. Aber egal, nur Mut, gegen die darf man schon verlieren, das ist nun wirklich keine Schande. Als wären wir nicht schon chancenlos genug, treten wir zu allem Überfluss auch noch mit drei Mann Ersatz an. Aber wie gesagt, gegen die ... Enthusiast wie ich nun mal bin, wird die Tasche gepackt und sich mental auf die unlösbare Aufgabe gegen die Herren Hiesel, Schiel, Schweyda und Co. vorbereitet. Ich baue mich innerlich mit „Die kochen auch nur mit Wasser, die haben auch nur einen Schläger und einen Ball” oder ähnlichen Durchhalteparolen auf, zumindest versuch ich‘s. An diesem Abend klappt das Vorhaben "nur Mut" zugegebenermaßen nur bedingt. Beim Imbiss im trauten Heim beziehe ich dann meine Holde in mein Vorbereitungsprogramm mit ein, indem ich ihr vorjammere, um 3:00 Uhr aufgestanden zu sein und schon eine Frühschicht hinter mir zu haben und deshalb todmüde zu sein. Der Versuch, spätere Geschehnisse schon im Vorfeld abmildern zu wollen, stößt wie nicht anders zu erwarten, ihrerseits auf taube Ohren. Wenigstens ist sie bereit, uns bei dem zu erwartenden sportlichen Waterloo vor Ort beizustehen, wie immer. Nächster Akt des Abends: Die alljährliche Suche nach der Selbacher Turnhalle. Ja, Selbach ist nicht Berlin, aber ich stoße auf dasselbe Problem wie jedes Jahr: ich suche die idyllische Tischtennisarena. Dieses Jahr biege ich einfach ein paarmal planlos ab und siehe da, Bingo! Meine Mitstreiter, die sich von Rastatt aus auf den Weg in die Murgtalgemeinde gemacht haben, sind auch bereits angekommen, allesamt siegessicher und frohen Mutes versteht sich! Eigentlich fahren wir ja gerne dorthin, nicht weil wir etwas masochistisch veranlagt sind und uns darüber freuen, die Hucke voll zu bekommen, sondern weil die Selbacher einfach nette Jungs sind. Das Problem ist nur: Sie sind zu stark für uns!!! Aber wie gesagt, gegen die ... Heute ist sogar mit der Höchststrafe zu rechnen: 0:9.
Trotz dieser Verkettung für uns nicht gerade günstiger Umstände gebe ich mich dem Gegner gegenüber wie gewohnt zuversichtlich und strahle – zumindest äußerlich - eine gewisse Gelassenheit aus, wie es sich für einen Mannschaftskapitän gehört. Die Selbacher erweisen sich schon im Vorfeld mit Aussagen wie "Es muss erst mal gespielt sein" oder "Erst mal abwarten" als höfliche Gastgeber. Außerdem wird uns ein gemütliches Beisammensein nach dem Spiel im nahegelegenen Partykeller eines Selbacher Sportkameraden in Aussicht gestellt. Nette Jungs eben, in der Tat. Bei der Bekanntgabe der Mannschaftsaufstellungen wird mir dann bewusst, was ich bis dato erfolgreich verdrängt habe. Aufgrund unseres heutigen Rumpfteams rücke ich von meiner gewohnten Position 6 in die Mitte auf 3 vor. Na dann: Prost Mahlzeit. Ich verkaufe mich recht gut, habe aber wie auch meine Mannschaftskameraden nichts zu erben. Der Rest des Spiels ist relativ schnell erzählt: 0:9. Da wir ja charakterlich gefestigte Erdenbürger sind, tragen wir diesen Spielausgang mit Fassung. Beim im Vorfeld bereits angesprochenen gemütlichen Beisammensein zeigen wir uns dann wieder gut erholt. Stellt sich zum Schluss die Frage: Was wäre das Leben ohne Tischtennis? Für mich: Schwer vorstellbar!
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